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Ortsteil Uedemerbruch

Uedemerbruch erstreckt sich entlang des östlichen Fußes des Uedemer Hochwaldes. Bis 1969 war Uedemerbruch eine eigenständige Gemeinde.

Stand 31.12.2021 hat der Ortsteil Uedemerbruch 553 Einwohner.

Geschichte von Uedemerbruch

Das Jahr 1295 gilt als Geburtsstunde des Ortes, da ab diesem Zeitpunkt ein eigenes Schöffengericht (bis Mitte des 18. Jahrhunderts) für Uedemerbruch zuständig war. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Gebiet entwässert, was die Besiedlung erst ermöglichte.
Die Kolonisation des Uedemer Bruchs durch „broekers", das heißt Marschenkolonisten, ist im Zusammenhang mit der größten planmäßigen Binnenkolonisation im deutschen Rheingebiet zwischen der Mitte des 13. und 14. Jahrhunderts zu sehen: Damals versuchten die weltlichen und geistlichen Grundherren, die versumpfte niederrheinische Talaue zwischen Zyfflich und Xanten einerseits und zwischen Elten und der Lippemündung andererseits trockenzulegen. Dabei bedienten sie sich der Fachkenntnisse von Holländern aus dem Raum Utrecht. Die „Holländische Straße" erinnert noch heute daran. Entgegen mancher Vermutung handelte es sich hierbei nicht um eine Masseneinwanderung von Holländern; die meisten an dem Kolonisierungswerk Beteiligten waren Einheimische.

Die Grafen von Kleve sahen das Bruchgebiet außerhalb der Hufensiedlung als Eigentum an. Einen Teil davon gaben sie 1295 gegen Erbpacht und Zehnt an bäuerliche Kolonisten, welche das Gebiet entwässerten und die Siedlung Uedemerbruch gründeten. Sie erhielten das Privileg, Heimräte und einen Richter wählen zu dürfen, die Entscheidungsvollmacht in allen Entwässerungsfragen hatten. Die Bruchkolonisation umfasste 1319 etwa 44 Hufe, verteilt auf 76 Besitzer. Bei der Stadterhebung von Uedem im Jahr 1359 behielten die Bewohner der damals kaum mehr als 100 Personen umfassenden Bruchkolonien ihre durch Privilegien abgesicherte rechtliche Sonderstellung.

1340 wurde Haus Kolk erstmalig erwähnt. Um 1531 erfolgte durch die Familie Hertefeld ein Ausbau zu einer befestigten Anlage, die 1610 von den Spaniern zerstört wurde. Der Neubau von 1650 als Adelssitz wurde um 1800 von den Franzosen um ein Stockwerk gekürzt. Ab dem Jahr 2000 erfolgte der Wiederaufbau des Hauses Kolk als zweistöckiges Gebäude. Das an der Grenze zu Uedemerfeld in der Nähe der Ley gelegene Gebäude ist bedeutsam für die Bildung der ersten reformierten Hausgemeinde im Raum Uedem. Der damalige Besitzer, Stephan VI. von Hertefeld zum Kolk, versammelte bereits vor 1562 einen Kreis von Adeligen und Uedemer Bürgern auf Haus Kolk, die sich zur neuen Lehre bekannten.

1654 wurde unweit von Haus Kolk der Adelssitz Haus Gravenhorst an der Ley von der Familie Pies auf einer älteren Hofstelle errichtet. Im Jahr 1976 wurde er abgerissen.

Das Kirchspiel Uedemerbruch war Bestandteil des Amtes Uedem, bis die Franzosen in der Kommunalreform von 1798 die Gemeinde Uedemerbruch gründeten. Seit dem Jahr 1800 bildete sie zusammen mit der Gemeinde Keppeln die Marie beziehungsweise Bürgermeisterei Keppeln.

Uedemerbruch gehörte stets zum Pfarrsprengel Uedem. Im Jahr 1905 erfolgte die Errichtung des Pfarrrektorats Uedemerbruch unter Einbeziehung des Gebiets von Hoch- und Tüschenwald. Zuvor, zwischen 1895 bis 1897, hatte man bereits die Katholische Pfarrrektoratskirche zur Hl. Familie im neugotischen Stil erbaut. In den Jahren 1875 bis 1878 errichtete die Nordbrabantsche-Deutsche Eisenbahngesellschaft die Eisenbahnlinie von Boxtel (Niederlande) über Goch nach Wesel. Von 1884 bis 1945 bestand eine Eisenbahnhaltestelle Uedemerbruch.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges fanden heftige Kämpfe in Uedemerbruch statt. Die Alliierten, vor allem die kanadischen Einheiten mit ihrer militärischen Übermacht, konnten erst nach zwei Wochen schwerster Kämpfe den Hochwald in Richtung Xanten durchqueren.

Weitere Meilensteine

1995 wurde mit der Errichtung der Militäranlage Paulsberg in Uedemerfeld auch im Hochwald eine Radaranlage gebaut, die nach britischem und dann deutschem Kommando im Jahr 1994 geschlossen wurde.

1957 erfolgte der Neubau der Volksschule und der Abriss der bisherigen Schule aus dem Jahr 1895. Die Volksschule wurde bereits 1968 aufgelöst.

1969 verlor Uedemerbruch seine Selbständigkeit und wurde ein Ortsteil der Gemeinde Uedem.

In den 1980-er Jahren wurde der Ortskern Uedemerbruch an das Kanalnetz angeschlossen.

1997 feierte die Kirchengemeinde das 100-jährige Jubiläum der Fertigstellung und Weihe der katholischen Pfarrrektoratskirche.

Im Jahr 2004 schlossen sich die Kirchengemeinden Hl. Familie Uedemerbruch, St. Jodokus Keppeln und St. Laurentius Uedem zur Fusionsgemeinde St. Franziskus Uedem zusammen.

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