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Geschichte der Gemeinde Uedem


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Wappen

Seit der Kommunalreform von 1969 sind die ehemals selbständigen Gemeinden Uedem, Uedemerfeld, Uedemerbruch und Keppeln zur Gemeinde Uedem vereint. Das 1971 verliehene Wappen geht auf das Siegel der Stadt Uedem aus dem 14. Jahrhundert zurück.

Vor- und Frühgeschichte

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Uedem durchzogen bereits in der Alt- und Mittelsteinzeit Jäger und Sammler. Nach der letzten Eiszeit (vor 10.000 Jahren) waren hier Hirten und Bauern ansässig.

Hinweise auf vorgeschichtliche Besiedlung - wohl Einzelhöfe - liefern mehrere Funde im Gemeindegebiet, wobei in der Keppelner Bauernschaft Buchholt die ältesten Relikte, Keramik und Feuersteingeräte aus der Zeit 4.300 bis 3.500 vor Christus entdeckt wurden.    

Antike

Die Römer haben hier kaum greifbare Spuren hinterlassen, obwohl dieser Raum etwa seit Christi Geburt zum Römischen Reich gehörte.
Aller Wahrscheinlichkeit nach gehörte der Uedemer Raum zum Stammesgebiet der Kugerner, das man zur römischen Siedlung Colonia Ulpia Traiana, dem heutigen Xanten, zuordnete.
Unweit des erwähnten Gräberfeldes im Kalbecker Wald wurde 1929 durch Gefäßfunde ein Friedhof mit 96 germanischen Brandgräbern bei Rodungsarbeiten entdeckt, die zwischen 60/70 und 220 nach Christus belegt worden ist. Römerzeitliche Gefäße fanden sich in Uedemerfeld.

Mittelalter

Der Kern der Gemeinde - der Ort Uedem - ist einer der ältesten fränkischen Siedlungen am unteren Niederrhein.

Nachdem die Römer Mitte des 5. Jahrhunderts das Land verlassen hatten, wurden die Franken die neuen Herren.

Die Archäologie deutet einen 1951 etwa 500 Meter südsüdwestlich der heutigen Uedemer Kirche gefundenen Knickwandtopf mit hoher Sicherheit als Hinweis auf ein merowingerzeitliches Ortsgräberfeld und entsprechende Besiedlung bereits im 7. Jahrhundert. Ein weiteres Indiz für die Existenz einer Siedlung Uedem in merowingisch-fränkischer Zeit ist der Ortsname: Die von „Oda“ und ihrer Sippe angelegte Rodungssiedlung bekam den Namen “Odeheim“ (später Othihem, Othehem, Utehem, Uthem, Udem, Uden und 1378 erstmals Uedem), weil es zur Zeit der Landnahme der Franken üblich war, den Neugründungen den Namen des Sippenführers oder wie im Fall Uedems, den der Sippenführerin, und die Endung „heim“ zu geben.

Der Name „Uedem“ wird zum ersten Mal am 5. Oktober 866 urkundlich erwähnt, als Gaugraf Ansfried sein Eigentum im Hattuariergau, nämlich die in der Uedemer Mark (in odeheimero marca) gelegene Rodungssiedlung villa Geizefurt, dem Kloster Lorsch im Rheingau übertrug.    

Im 12. Jahrhundert ging die Grundherrschaft von den Nachkommen der „Oda“ teils auf das Stift Xanten, teils auf den Grafen von Kleve über, der um 1200 auch Landesherr wurde.

Die Gründung von Keppeln im 12. Jahrhundert sowie von Uedemerbruch und Uedemerfeld im 13. Jahrhundert sind weitere wichtige Entwicklungsschritte in der Siedlungsgeschichte, besonders deutlich im Fall Uedemerbruchs. 1295 gab Graf Dietrich VIII. von Kleve das Uedemer Bruch gegen Erbpacht und Zehnten für die Besiedlung frei. Er holte Spezialisten für die Urbarmachung von Bruchgebieten ins Land - der Graf brauchte neues Land für seine Untertanen -, die das Gebiet trockenlegten.

Im Urbar (Einkünfteverzeichnis) des Grafen Dietrich IX. von Kleve wurde Uedem erstmals 1319 als Stadt bezeichnet. Das erste Stadtprivileg bekam Uedem am 5. Januar 1359 von Graf Johann I.verliehen. Sein Versprechen, die Uedemer aus der Hörigkeit zu befreien, konnte Graf Johann I. nur unter Mithilfe des Stiftes Xanten einlösen, weil die Uedemer nicht ihm als Landesherrn, sondern dem Stift Xanten als ihren Grundherrn gegenüber hörig waren. Das Stift Xanten erklärte sich zur Umwandlung der Leibgewinngüter in Erbpachtgüter bereit. Durch den „Xantener Vertrag" vom 1. Mai 1359 zwischen Graf Johann I., dem Xantener Stift und dem Uedemer Magistrat wurde die Befreiung aus der Hörigkeit eingeleitet.
Die Stadt Uedem und die Kirchspiele Uedemerfeld und Uedemerbruch hatten spätestens 1363 eigene Gerichte, die durch die Person des Richters mit dem Schöffengericht Uedem verbunden waren. Alle drei Gerichte führten Schöffensiegel. Sie tagten gesondert, müssen aber auch zu gemeinsamen Sitzungen zusammengetreten sein. Das Uedemer Schöffensiegel zeigt ein Doppeltor, heraldisch rechts davon das klevische Schild mit Helm, heraldisch links ein Rost, als Symbol des Ortspatrons, des heiligen Laurentius.

 

Ansicht der Stadt Uedem von Norden, um 1650. Unbekannter Stecher nach Henrik Feltmann (Kalkar circa 1610 - nach 1669) Kupferstich, 69 x 116 mm. (Quelle: Museum Kurhaus Kleve - Sammlung Robert Angerhausen)

Über die vorstädtische Entwicklung der Siedlung Uedem bis zum 14. Jahrhundert ist nur wenig bekannt. Spätestens zur Zeit der Stadterhebung 1359 hatte Uedem die flächenmäßige Ausdehnung erreicht, wie sie noch auf Katasterkarten des 18. und 19. Jahrhunderts zu sehen ist.
Den Verlauf der knapp 1.000 Meter langen Stadtmauer markieren im heutigen Straßenbild die vier Wälle: Graf-Johann-Wall, Agathawall, Burgwall und Turmwall. Reste der Stadtmauer sind noch vereinzelt vorhanden, insbesondere auf dem Kindergartengelände an der Viehstraße. Den Zugang zur mittelalterlichen Stadt vermittelten vier große Tore, deren ehemaligen Standorte heute an vier von Wolfgang Frische geschaffenen lebensgroßen Bronzeplastiken zu erkennen sind: der Müller an der Mühlenstraße für das Mühlentor im Osten, der Gerber an der Lohstraße für das Lohtor im Süden (Richtung Kervenheim), der Bauer an der Mosterstraße für das Mostertor im Südwesten (Richtung Goch)  und die Viehhirtin an der Viehstraße für das Viehtor im Norden (Richtung Kleve).

1414 errichtete Graf Adolf II.von Kleve die Stadtburg oder Schlüterei in Uedem als den Sitz für den landesherrlichen Amtmann.
Bestimmend für das alte Stadtbild waren neben der landesherrlichen Schlüterei, der Stadtmauer mit vier Türmen die öffentlichen Gebäude (vor allem das 1563 erstmals erwähnte Rathaus), die beiden Kirchen und die beiden Klöster. Der Marktplatz wurde 1369 erstmals genannt. Bei dem Stadtbrand von 1685, der nur zwei Häuser verschonte, brannte die Schlüterei ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Dafür baute man den noch heute erhaltenen großen Wehrturm am Turmwall als Schlüterei aus. Der heutige Stadtturm ist der einzige erhaltene Rest der Stadtbefestigung.

Die heutigen Außenwälle und die Stadtwege entsprechen in ihrem Verlauf genau der Katasterkarte von der Stadt Uedem von 1733/34 mit ihrem Maßstab ca. 1 : 4000.

farbige Katasterkarte der Stadt Uedem um 1730

Überragendes Bauwerk war damals wie heute die Pfarrkirche St. Laurentius, dessen Turm aus der Zeit um 1200 stammte. Der romanische Vorgängerbau wurde im 14. und 15. Jahrhundert erweitert bzw. umgebaut. 1887 wurde die Kirche abgerissen und durch einen zweitürmigen Bau (1888 - 1890) im neoromanischen Stil ersetzt. Nach den Kriegszerstörungen erfolgte von 1958 bis 1960 ein Neubau unter Einbeziehung von Teilen der alten Bausubstanz.

Auf einen Ausbau der Stadt im 15. Jahrhundert weisen die Errichtung eines Hospitals und des Klosters Sankt Spiritus der Augustinerchorherren (zwischen Viehstraße und Augustinerstraße) mit seiner zweitürmigen Kirche sowie der Bau des Klosters Sankt Agatha der Augustinerinnen am heutigen Agathawall hin. Das Kloster St. Agatha geht zurück auf ein Haus am heutigen Agathawall, in dem seit etwa 1400 eine Gruppe frommer Frauen in Gemeinschaft lebten. Die "Schwestern vom Gemeinsamen Leben", Vertreterinnen der Frömmigkeitsbewegung Devotio moderna, lebten in ökonomischer Gemeinschaft (im Gegensatz zu den Beginen kannten sie keinen Privatbesitzt), jedoch ohne Habit und ohne Gelübde (im Gegensatz zu den Augustiner Chorfrauen). Sie zählen wie die Brüder vom Gemeinsamen Leben und die Beginen zu den Semireligiosen. Sie konnten die Gemenischaft jederzeit wieder verlassen, jedoch unter Verzicht auf das in die Gemeinschaft eingebrachte Eigentum. Die Schwestern vom Gemeinsamen Leben lebten von der Handarbeit, vor allem vom Spinnen und der Weberei.

Bei der Gründung des Augustinerchorherrenstiftes ist erwähnenswert, dass im Jahr 1446 der gebürtige Uedemer Heinrich Raescop, Propst an Sankt Maria zu Utrecht, in seiner Heimatstadt ein Altmänner-Schülerhaus stiftete. Unter Festlegung eines Lehrplans sollten 12 aus Uedem stammende Schüler bis zur Vollendung ihres 17. Lebensjahres unterrichtet werden und mit dem Rektor zusammenleben.
Die Stiftung kam nicht recht in Gang und wurde 1451 in ein Augustinerchorherrenstift umgewandelt, wobei sich der berühmte Kirchenrechtler und päpstliche Kardinallegat Nikolaus von Kues im Rahmen seiner Legationsreise (1450 - 1452) erfolgreich um die Uedemer Klostergründung bemühte. Die Uedemer Augustinerchorherren gehörten der Windesheimer Kongregation an und förderten somit die Bewegung der Devotio moderna. Beide Uedemer Klöster wurden im Jahr 1802 durch den französischen Staat säkularisiert.


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Neuzeit

Stadtmodell von Uedem um 1650 (Museum Burg Linn, Krefeld)

In der weiteren Entwicklung überstand der Ort die wechselvollen Zeitläufe mit allen Umbrüchen und Katastrophen.
Uedem zählte von 1540 bis 1572 zu den klevischen Beistädten der Hanse, die dem Vorort Wesel zugeordnet waren.
Die Adelsfamilie von Hertefeld zum Kolk förderte bereits 1562 die Einführung der Reformation und stellte ihren Familiensitz Haus Kolk als frühe Gottesdienststätte zur Verfügung. Die Evangelischen mussten sich im Zuge der gegenreformatorischen Tendenzen zu Betstunden auch weiterhin im Verborgenen treffen. 1594 sind die Anfänge einer reformierten Gemeinde in Uedem erkennbar. Die Reeser Kirchengemeinde erklärte sich 1597 bereit, gelegentlich ihren Prediger nach Uedem zu schicken. Der Prediger verfasste eine Kirchenordnung, die das Gemeindeleben und ihre Zusammenkünfte regeln sollte. 1603 wurde ein Presbyterium gebildet, dem unter anderem der Advokat beim Klever Hofgericht Egbert Hopp (Verfasser des Werkes ,,Kurze Beschreibung des Clevischen Landes", erstmals erschienen 1655) und Heinrich von Ehsen angehörten. Spätestens um 1650 ist wohl der erste Kirchenbau erfolgt, der nach dem großen Stadtbrand von 1685 wiedererrichtet worden ist. Der Turm wurde erst 1831 errichtet und erhielt 1876 seine heutige Gestalt als Glockenturm. Am 13.2.1945 wurde die Kirche durch Sprengbomben vernichtet. Bereits 1948 konnte das Gotteshaus wieder eingeweiht werden.

Im 17. Jahrhundert erhielt das Uedemer Land einen neuen Landesherrn. Nach dem Aussterben des klevischen Herzogshauses fiel das Herzogtum Kleve 1609/1614 zusammen mit den Grafschaften Mark und Ravensberg an die Kurfürsten von Brandenburg, die späteren preußischen Könige. Am 4. April 1609 nahm Stephan VII. von Hertefeld zum Kolk (gestorben 1636) im Auftrag des Kurfürsten von Brandenburg das gesamte Herzogtum Kleve mit Stadt und Amt Uedem in Besitz. Der städtische Magistrat setzte sich fortan bis Ende des 18. Jahrhunderts aus Vertretern der evangelisch-reformierten Gemeinde zusammen.
Das Zusammenleben zwischen der katholischen Bevölkerungsmehrheit und den Protestanten in Uedem war gerade im 17. und 18. Jahrhundert von konfessionellen Spannungen und Auseinandersetzungen begleitet. Im Jahr 1730 kam es sogar zu gewaltsamen Unruhen in der Stadt, die nur mit Hilfe des preußischen Militärs beendet werden konnten.

Seuchen, Brände und Kriege

Die Bevölkerung wurde vom 15. - 18. Jahrhundert von Seuchen, Bränden und Kriegen heimgesucht. Während des 80-jährigen Unabhängigkeitskrieges der Niederländer gegen die Spanier (1568 bis 1648) wurde insbesondere der linksrheinische Teil des Herzogtums verwüstet. Der Raum Uedem hatte in dieser Zeit durch die Besatzung rücksichtsloser Söldnerheere zu leiden. Als im Jahr 1635 der kaiserliche Feldherr Octavio Piccolomini mit seinen Regimentern den Niederrhein besetzte, errichtete er auch ein Feldlager vor Uedem. Kurze Zeit später brach die Pest aus und forderte viele Opfer. 1618, 1685 und 1796 wurde Uedem ein Opfer der Flammen. Der verheerendste Brand am 18. April 1685 zerstörte die ganze Stadt außer zwei Häuser an der Stadtmauer.

Im Oktober 1794 marschierten französische Truppen in die nördlichen Rheinlande ein. Für zwanzig Jahre, also bis 1814, war der gesamte linke Niederrhein und damit auch Uedem unter französischer Besatzung und ab 1801 sogar Teil des französischen Staates. Es wurde eine neue Verwaltungsstruktur nach französischem Vorbild eingerichtet, die im Jahr 1800 auf der kommunalen Ebene die Bildung von Mairies, d.h.Bürgermeistereien, mit sich brachte. Die 1798 gebildeten Gemeinden (communes) Uedem und Uedemerfeld fasste man dabei zur MairieUedem, die Gemeinden Keppeln und Uedemerbruch zur Mairie Keppeln zusammen.

Nach der endgültigen Niederlage Napoleons 1815 legte der Wiener Kongress die territoriale Neuordnung Europas fest. Die rheinischen Gebiete bildeten fortan die preußische Rheinprovinz. Die von den Franzosen festgelegte Verwaltungsstruktur blieb in ihren Grundzügen bis 1945 erhalten.
Ab 1823 wurde die Bürgermeisterei Keppeln mit Uedem, unterbrochen von 1851 bis 1866, in Personalunion verwaltet.
Gegenüber 1817 hatte sich die Einwohnerzahl der Bürgermeisterei Uedem (Uedem und Uedemerfeld) im Jahr 1852 um 600 auf 2.472 erhöht.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gründete sich im Raum Uedem eine Freie evangelische Gemeinde. Ab 1883 trafen sich einige Christen im Haus von Philipp Esselborn zu sogenannten „Stubenversammlungen", aus denen sich zwischen 1888 und 1890 die „Freie evangelische Gemeinde Uedemerfeld" entwickelte. Die Mitglieder der Gemeinde kamen aus Uedemerfeld, Uedemerbruch, Sonsbeck und Bönninghard. Seit 1960 gibt es ein eigenes Gemeindehaus am Roten Berg 1. Seit 1962 heißt die Gemeinde „Freie evangelische Gemeinde Uedem".

Wirtschaftliche Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert

Durch den umfangreichen Flachsanbau und die Schafzucht in der Umgebung war Uedem zunächst als Weberstadt bekannt mit zahlreichen Webstühlen, von denen um 1890 noch drei in Betrieb waren.
Mit der Indistrualisierung ging während des 19. Jahrhunderts das Textilgewerbe in Uedem zurück. In den 1830er Jahren entstanden in Uedem zwei blühende Wirtschaftszweige: Die Schuhfabrikation, die Uedem den Beinamen Schusterstädtchen einbrachte, und der Maschinenbau. Aus dem herkömmlichen, in Uedem stark vertretenen Schuhmacherhandwerk begann 1830 mit der Gründung des Betriebs der Gebrüder Straaten die Schuhfabrikation, zunächst als Handarbeit und überwiegend als Heimarbeit. Neben Plüschpantoffeln wurden vor allem Arbeitsschuhe gefertigt. 1885 wurden rund 100 Schuster in Uedem gezählt. Im Jahr 1900 erfolgte die Umstellung auf Maschinenarbeit; es entstanden Fabrikbetriebe, so dass erst seit dieser Zeit von einer Schuhindustrie gesprochen werden kann. Um die Jahrhundertwende existierten bereits 10 Schuhfabriken in Uedem, bis 1928 waren es sogar 50 mittlere und kleinere Betriebe mit ungefähr 400 Arbeitsplätzen. Die ursprüngliche Vertriebsform der Schuhe war der Landhandel auf den Märkten in der Umgebung; mit der Mechanisierung der Betriebe setzte auch die Professionalisierung des Vertriebs ein, der zum größten Teil ins Ruhrgebiet und in andere Gegenden Deutschlands ging. Die Uedemer Schuhindustrie hat sich mit ihrer Spezialisierung auf Arbeits- und Berufsschuhwerk (Sicherheitsschuhe) als außerordentlich krisenfest erwiesen. Ihre Produkte gehören heute zu den führenden auf dem internationalen Markt.
1832 wurde die Maschinenfabrik Mühlhoff gegründet, zunächst als Kupferschmiede, dann wurden dort Eisenwaren und später Landmaschinen produziert. Der Firma gelang in den 1950er Jahren die Umstellung auf neue Produkte; seit 1955 ist sie Zulieferer für die internationale Autoindustrie. Mit dem 2004 geänderten Firmennamen Mühlhoff Umformtechnik GmbH verdeutlicht das Unternehmen den endgültigen Abschied vom Maschinenbau und die Spezialisierung zum hoch professionellen Umformer von Stahlblech und Walzerzeugnissen.
Ein weiterer bedeutender Wirtschaftszweig in Uedem ist seit 1933 der Elektroanlagen- und Rohrleitungsbau der Firma Horlemann, die im ganzen Bundesgebiet für die Stromversorgung arbeitet.

1838 wurde die Postexpedition und ein dreimal wöchentlicher Postgang nach Goch, ab 1842 der tägliche Personen- und Briefpostverkehr zwischen Uedem und Weeze eingerichtet. 1855 erfolgte der Straßenbau Uedem-Weeze, zwei Jahre zuvor fuhr die erste Personenpost auf der Strecke Kalkar - Uedem - Weeze. 1890 bestand eine telegraphische Verbindung von Uedem über Keppeln nach Kalkar. 1904 wurde die erste öffentliche Fernsprechzelle in Uedem errichtet.
Mit der 1875/1878 erbauten internationalen Eisenbahnverbindung der Nordbrabantschen-deutschen Eisenbahngesellschaft (Boxteler Eisenbahn genannt) zwischen Berlin, Hamburg und Vlissingen-London über Wesel-Goch war Uedem verkehrsmäßig sehr günstig erschlossen; es erfolgte hierdurch ein nennenswerter wirtschaftlicher und industrieller Aufschwung, da Molkereibetriebe, die Firma Mühlhoff und die Schuhfabriken auf den Eisenbahnanschluss angewiesen waren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Verbindung als Nebenbahnstrecke von der Deutschen Reichsbahn übernommen, 1963 der Personenverkehr, 1966 der Güterverkehr nach Uedem eingestellt. 1978 kaufte der Landschaftsverband Rheinland ein 9 km langes Stück von Goch nach Uedem und baute die Landstraße L 77, die von Goch bis Uedem schnurgerade verläuft.

Der Zweite Weltkrieg

Im Verlauf der letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges im Februar 1945, die im hiesigen Raum zu den schwersten des ganzen Krieges gehörten, wurden die Orte Uedem und Keppeln mit ihren Bauernschaften durch schwere Bombenangriffe, langanhaltendes Artilleriefeuer und in tagelangen Kämpfen fast völlig zerstört.
Die mehrtägige Panzerschlacht zwischen Kanadiern und Deutschen in der Bauernschaft „Am Totenhügel" bei Keppeln soll nicht unerwähnt bleiben. Die im Raum Uedem durchgeführte Militäroperation „Blockbuster" stellt die verlustreichste Einzeloperation der kanadischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg dar.

Nachkriegszeit

Von 1945 bis 1969 bildeten die Gemeinden Uedem, Uedemerfeld, Keppeln und Uedemerbruch das Amt Uedem.

Einen großen Einschnitt in die Entwicklungsgeschichte Uedems stellte die weitgehende Zerstörung der Stadt im Februar 1945 dar.
Während die Hauptkirchen restauriert wurden, sollten zahlreiche Wohnhäuser am Markt nicht wieder aufgebaut werden; hierdurch entstand der heutige Marktplatz.
Die folgenden fünfziger Jahre standen ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. In dieser Periode wuchsen an der Peripherie des Ortes neue Wohngebiete, in denen neben ausgebombten Familien insbesondere Flüchtlinge und Vertriebene eine neue Heimat fanden. Zählte der Ort im Januar 1946 nur 2.560 Einwohner (1939 waren es 2.934) wurde bereits 1952 die Marke von 3.000 überschritten.

1955 errichtete die britische Besatzungsmacht auf dem Paulsberg in Uedemerfeld eine Großraumradarstation, die nach britischem und dann deutschem Kommando im Jahr 1994 geschlossen wurde. Von 2000 bis 2007 baute die NATO die Militäranlage mit seinem ehemaligen Luftverteidigungsbunker zum Führungszentrum für die Luftabwehr aus.

In ihrer heutigen Struktur entstand die Gemeinde Uedem im Rahmen der kommunalen Gebietsreform im Jahre 1969 aus den ehemals selbständigen Gemeinden Uedem, Uedemerfeld, Keppeln und Uedemerbruch.

In den Jahren 1985 bis 1990 erfolgte die heute als gut gelungen zu bewertende Wohnumfeldverbesserung im Ortskern Uedem.

Die Hohe Mühle, erstmals 1319 erwähnt, wurde 1989 als Begegnungsstätte und Aussichtsturm umfangreich saniert. Der Besucher genießt von hier einen wunderbaren Ausblick auf die niederrheinische Landschaft, besonders auf das reizvolle Waldgebiet "Uedemer Hochwald". Im Innern des Turmes ist eine ständige Ausstellung über die Geschichte des Uedemer Schuster- und Holzschuhhandwerks untergebracht.

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte der Ort Uedem seine Attraktivität, insbesondere seit 1992, durch den Autobahnanschluss "Uedem/A 57" steigern und erlebte einen starken Zuzug an Neubürgern.

Von 2000 bis 2007 baute die NATO die Militäranlage mit seinem ehemaligen Luftverteidigungsbunker zum Führungszentrum für die Luftabwehr (ressortgemeinsame Dienststellen Weltraumlagezentrum und Nationales Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum) aus.

Im Jahr 2004 schlossen sich die Kirchengemeinden St. Laurentius Uedem, St. Jodokus Keppeln und Hl. Familie Uedemerbruch zur Fusionsgemeinde St. Franziskus zusammen.
Betrug die Bevölkerungszahl im Jahr 1960 noch 6.145, leben heute bereits 8.335 Bürger (Stand: September 2016) im Gemeindegebiet.

Liste der Persönlichkeiten der Gemeinde Uedem

  • Heinrich Raescop (* um 1385 in Uedem, gestorben 1455 in Utrecht): hoher Kanzleibeamter an der Kurie in Rom, bekannt mit Nikolaus von Kues, Propst an der St. Marienkirche in Utrecht, Ratgeber von Kaiser Sigismund, König Friedrich III. sowie von Herzog Adolf I. von Kleve. Begründer des Augustinerchorherrenstiftes St. Spiritus (1451 - 1468, 1601 - 1802) in Uedem.
  • Heinrich Coppen (gestorben 1478) : Sekretär des Herzogs von Kleve,
    beschäftigte sich vor allem mit den Verhandlungen im Zusammenhang mit der Soester Fehde (1444 - 1449)
  • Stephan VI. von Hertefeld zum Kolk (16. Jahrhundert): Als Chef der älteren Linie machte Stephan VI. das Rittergut Kolk/Uedemerbruch zu deren Hauptsitz und gab ihm 1531 eine entsprechend anspruchsvolle Erscheinung als spätgotisches Burghaus mit aufwändigen Natursteinarbeiten aus Drachenfels-Trachyt. Zeitgleich entstanden weitere, heute wiederhergestellte Wassergräben, welche die Burginsel in einem doppelten Grabensystem umgaben. Der Bauherr Stephan trat früh zum Protestantismus über und gründete in Kolk die erste protestantische Gemeinde im überwiegend katholischen Umfeld.
  • Alexander Pasqualini (1567- um 1620): seit 1608 Landesbaumeister im Herzogtum Kleve und zugleich bis zu seinem Tod Schlüter in Uedem - also ein landesherrlicher Amtmann, der für die Einnahmen der Steuern und Abgaben, insbesondere für die herzoglichen Domänengüter in den Ämtern Uedem, Sonsbeck, Kervendonk und Winnekendonk zuständig war.
  • Egbert Hopp (17. Jahrhundert): Advokat beim Klever Hofgericht, Verfasser des Werkes ,,Kurze Beschreibung des Clevischen Landes", erstmals erschienen 1655.
  • Friedrich Christian Winter (* 7. Mai 1712 in Uedem, gestorben am 11. November 1760 in Leiden):
    Mediziner, Universitätsprofessor, Leibarzt des Statthalters der Niederlanden Wilhelm IV. von Oranien.
  • Arnoldus Beckers (* 8.Juli 1742 in Uedem, gestorben am 23.Juli 1810 in Deursden bei Ravenstein an der Maas/NL)
    wichtiger Chronist der Windesheimer Kongregation, 1771 Subprior des Augustiner-Konvents Gaesdonk, 1772-1810 Rektor des Augustinessen-Konvents Zoeterbeek in Deursden
  • Mathias Maenss: Pastor der evangelisch-reformierten, ab 1824 evangelisch-unierten Kirchengemeinde Uedem von 1816 bis 1826, bislang der einzige aus Uedem stammende Superintendent für den Kirchenkreis Kleve (ab 1818), 1826 Berufung zum Konsistorialrat und Domprediger in Magdeburg.
  • Johannes Boßmann (*1797 in Keppeln - 1875): Weihbischof von Münster (ab 1858).
  • Franz Samans (*1812 in Kempen - 1861 in Uedem): ab 1841 Volksschullehrer in Uedem, Guitarrenlehrer sowie Komponist und Arrangeur von Guitarrenstücken (4 veröffentlichte Bände in 6 Auflagen). Samans Verdienste liegen ganz deutlich im Sammeln von Liedern und in der Vermittlung jener instrumentalen Voraussetzungen, die dann dem Gitarrenlied zu enormer Verbreitung und Popularität verholfen haben.
  • Dr. theol. Joseph Frankeser (*1825 in Boisheim bei Viersen - 1907 in Uedem): Pfarrer in Uedem 1870 - 1907, Gründer des St. Laurentius-Bauvereins 1879. Er initiierte den Neubau der neoromanischen zweitürmigen Kirche, die man im Volksmund "Uedemer Dom" nannte und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde.
  • Johann/John Janssen (*1835 auf Altholthuysenhof/Verkält - 1913): deutsch-amerikanischer römisch-katholischer Theologe und erster Bischof (ab 1888) der neugegründeten Diözese Belleville, Illinois, USA.
  • Heinrich Walther (*1842 in Uedem, gestorben 1905 in Oeynhausen): Schauspieler und Regisseur. Zuerst möglicherweise in Stettin und Breslau. 1874 - 1882 am Hoftheater Hannover, 1882/1883 in Augsburg, 1883/1884 in St. Petersburg, 1884/1885 in Mainz, 1885/1887 in Breslau, 1887 - 1889 in Posen, 1889 - 1891 in Düsseldorf und 1891 - 1895 in Chemnitz. Dann jeweils eine Saison in Basel, Krefeld und wieder Chemnitz. 1902 - 1902 Schauspieler und Regisseur in Würzburg, 1902 - 1903 in Saarbrücken und 1903 - 1905 Regisseur und Schauspieler in Colmar.
  • Karl Joseph Gellings (*1892 in Uedem, gestorben 1959 in Rotterdam, begraben in Uedem): Er wirkte von 1928 bis 1959 in Rotterdam als Kunstschmied und Entwerfer von Gebrauchs- und Kunstgegenständen, Möbeln, vor allem von Keramik mit einer expressionistischen Farbenpalette im Stil der Amsterdamer Schule.
  • Ion San - Giorgiu (*1893 in Botosani/Rumänien, gestorben 1950 in Uedem): rumänischer Poet, Dramatiker, Essayist, Literaturkritiker, faschistischer Politiker.
  • Peter Mott (1906 - 1986): Bürgermeister der Gemeinde Keppeln (1950 - 1969), Landrat des Kreises Kleve (1955 - 1961), Bürgermeister der Gemeinde Uedem (1973 - 1979), Ehrenbürger der Gemeinde Uedem (seit 1980).
  • Norbert Paeßens (1917 - 2006): Uedemer Erfinder und Uhrmacher („Weltuhren").
  • Prof. Dr. Gerhard Aymans (*1931 in Keppeln, gestorben am 08.05.1996 in Bonn): Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität Bonn. Er bezog zeitlebens seine niederrheinische Heimat in seine bahnbrechenden Forschungen zur historischen Geographie der Niederrheinlande ein.
  • Werner van Briel (*1938 in Kleve): langjähriger Bürgermeister (1979 - 2004) und Leiter der Geschwister-Devries-Grundschule, Ehrenbürger der Gemeinde Uedem (seit 2004).
  • Gerd Mölders (*1942 in Keppeln): Teilnehmer der Olympischen Spiele von Mexiko-Stadt 1968 als Mittelstreckenläufer, heute Physiotherapeut in Rindern.
  • Ingrid Stampa (*1950 in Uedem): Musikprofessorin und Mitarbeiterin von Papst Benedikt XVI. (seit 2005), danach Haushälterin des argentinischen Kurienkardinals Leonardo Sandri.
  • Klaus Martens (* 1954 in Uedem): Journalist, Filmemacher und Buchautor.
  • Hermann Gröhe (*1961 in Uedem): deutscher Politiker (CDU), Staatsminister im Bundeskanzleramt von 2008 bis 2009, seit 2009 Generalsekretär der Bundes-CDU als Nachfolger des Weezers Ronald Pofalla.
  • Andreas Wessels (*1964 in Uedem): ehemaliger deutscher Fußballbundesliga-Spieler (Torwart beim VfL Bochum und Fortuna Köln).
  • Claus Lufen (*1966 in Orsoy): Fernsehmoderator und Sportreporter.
  • Raimund Ostendorp (*1968 in Uedem): Inhaber und Koch des "Profi-Grills" (seit 1991) an der Bochumer Straße 96 in Bochum-Wattenscheid.
  • Steffi Neu (*1971 in Kleve, wohnhaft in Keppeln): Journalistin und Moderatorin beim WDR.

 

Ansprechpartner

Herr Hetjens
Telefon: 0 28 25 / 88-56
Telefax: 0 28 25 / 88-45
E-Mail: franz-josef.hetjens@uedem.de
Adresse: Rathaus Uedem, Mosterstraße 2, 47589 Uedem

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